Arbeitswelt mit Corona II

Anonym von einem Basismitarbeiter+/einer Basismitarbeiterin* der Wohnungslosenhilfe Wien zugesendet.

“Wohin, wenn man kein zu Hause hat..

Ein kleiner Virus, welchen viele im Jänner gar nicht kannten oder als regionales Phänomen in China abtaten, verändert seit Wochen unser Leben tiefgreifend. Während viele die Straßen und Parks nun ausschweifender zum Flanieren nutzen und die Öffies möglichst meiden, sind jene noch dort, die keine andere Möglichkeit haben.

Täglich ruft sie an, fragt nach einem Schlafplatz. Er ist in diesen Tagen nicht nur der Ort zum Duschen, Wäschewaschen und für eine kleine Mahlzeit ist, er bietet auch Schutz vor den verächtlichen Blicken derer, die ihre Not selbst nicht kennen und den harschen Fragen der Polizei: „Was machen sie hier? Sie wissen doch, dass eine Ausgangsbeschränkung herrscht!“ Aber wohin soll man, wenn man kein zu Hause hat?

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Öffentliche Anfrage an Sozialstadtrat, FSW und Träger

Folgender Brief ging an die Veranwortlichen der Wiener Wohnungslosenhilfe – wir warten auf Antworten!

“Sehr geehrter Herr Sozialstadtrat Hacker, sehr geehrte Damen und Herren des Fonds Soziales Wien und der Trägerorganisationen ASB, Caritas, Rotes Kreuz, Johanniter, Volkshilfe!

Als Basismitarbeiter_innen der Wiener Wohnungslosenhilfe beobachten wir die derzeitige Krise mit Sorge. Zum einen begrüßen wir die Umstellung auf einen ganztägigen Betrieb der Notschlafstellen, als auch die Verlängerung des Winterpaketes. Das hat sowohl zu einer enormen Entspannung bei unseren Klient*innen als auch zu einer Entlastung unserer Arbeitssituation beigetragen. Nicht zuletzt kommt diese Umsetzung auch einigen jener zentralen Forderungen nach, die wir vergangenes Jahr als Basisinitiative gestellt haben. 

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Arbeitswelt mit Corona

Wir sind zwei Notschlafstellenbetreuer_innen die in einem Notquartier in Wien arbeiten. Die Einrichtung, in der wir arbeiten ist Teil des sogenannten Winterpakets des Fonds Soziales Wien. Das Winterpaket soll Menschen, die keinen Zugang zum österreichischen Sozialsystem haben einen Schlafplatz in der Nacht und eine Jause bieten. Das heißt es schlafen viele Menschen auf engem Raum in einem abgefuckten Haus mit minimaler Verpflegung und Hygiene und ohne Privatsphäre. Also eine Wohlfühloase für Viren und Bakterien.

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Hinter der schönen Welt der Worte

Wenn wir in diesen Tagen die Nachrichten lesen, so können wir uns nur verwundert die Augen reiben. Scheinbar gibt es eine schöne neue Welt, wo alle solidarisch mit den Obdachlosen sind. So erzählt Peter Hacker, seines Zeichens Sozialstadtrat in Wien, in einen Interview:

„Außerdem haben wir nicht diese große Gruppe von versteckt lebenden Schwarzarbeitern, die das Virus lange Zeit verbreiten konnten, ohne dass es die Gesundheitsbehörden merkten. Dasselbe ist in Spanien oder in Frankreich zu beobachten. Daran sieht man übrigens, wie unglaublich wichtig es ist, dass es niemanden gibt, der außerhalb des Sozial- und Gesundheitssystems lebt. Große Gruppen von Menschen, die vom Gesundheitssystem ausgeschlossen werden, sind schlecht für eine Gesellschaft. Es muss ein Gesundheitssystem geben, das alle erfasst.“
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Statement zu den KV-Abschluss SWÖ

Hinter unserem Rücken kam es wie befürchtet zu einem Abschluss des Kollektivertrags der SWÖ (Sozialwirtschaft Österreich), der viele von uns direkt betrifft.

Auch diejenigen von uns, die andere Kollektivverträge haben (z.B. Caritas und Rotes Kreuz), sind indirekt betroffen – hat der SWÖ doch Signalwirkung für die weiteren Kollektivverträge im Sozialbereich.

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Schutz heisst Massenquartiere schließen

                                      

Uns erreichte eine Nachricht der Initiative „Rückkehrzentren schließen“. Das Lager in Traiskirchen wurde am 24. März wegen zwei positiver Corona Fälle unter Quarantäne gestellt. Das Lager Traiskirchen ist „das größte Quartier für Geflüchtete in Österreich und beherbergt wohl derzeit ca. 600 Menschen, die auf engstem Raum miteinander leben müssen.“

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Arbeiten in Zeiten von Corona: Wer wird hier eigentlich geschützt und zu welchem Preis?

Endlich setzt die Stadt Wien Taten: Nachdem wochenlang die Gefahr ignoriert wurde, haben der Fonds Soziales Wien (FSW) gemeinsam mit den Trägerorganisationen das Winterpaket bis in den Sommer hinein verlängert. In den Notschlafstellen wird schrittweise auf einen 24h-Betrieb umgestellt. Es ist endlich auch möglich, dort tagsüber zu bleiben.
Wir sind erleichtert über die Schritte, werden doch damit wichtige Forderungen, die wir als Basisinitiative schon lange stellten, erfüllt. Erfreulicher wäre es natürlich gewesen, wenn es dafür nicht erst eine Pandemie gebraucht hätte.

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Wie zuhause bleiben, wenn du kein zuhause hast?

Ein Text zur aktuellen Situation – wichtige Forderungen am Ende – wenn Du die Forderungen unterstützt: bitte verbreiten mit dem Zusatz “Ich/wir unterstützen die Forderungen”

 

Seit letzter Woche sind Veranstaltungen mit über 100 Menschen verboten, seit Montag sogar alle Versammlungen mit über 5 Personen. Nicht gedacht wurde da ganz offensichtlich an Refugees und Obdachlose, die in Sammelunterkünften untergebracht sind. Obdachlos gewordene Menschen müssen teilweise in Quartieren mit bis zu 200 anderen Nächtigenden schlafen, in der Früh raus und in eines der Tageszentren gehen, wo sie sich wieder mit hundert anderen Menschen auf engstem Raum aufhalten. Es wird empfohlen, dass ein Mindestabstand von 1 Meter zu anderen Menschen einzuhalten ist. Wie soll das in den Notquartieren funktionieren, wo Bett an Bett steht? Überall hört mensch die Empfehlung, zu Hause zu bleiben, doch wie sollst du zu Hause bleiben, wenn du kein Zuhause hast?

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Solidarität mit der Kollegin von “Jugend am Werk”

Am 16. Januar fand eine Kundgebung gegen die Kündigung einer Kollegin statt.
Etwa 20 Kolleg_innen aus verschiedenen Sozialberufen und von verschiedenen Unternehmen sowie solidarische Unterstützer_innen beteiligten sich an der Kundgebung.

“Unsere Kollegin ist nach sieben Dienstjahren Mitte Dezember 2019 von Jugend am Werk gekündigt worden.” schreibt das Wiener Arbeiter*innen Syndikat im Aufruf zu der Demo.

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Das Ende der Solidarität, Schwestern

Das Ende des Winterpakets trifft Frauen 2019 in besonderem Maße. Dass die Unterbringung in den Notquartieren über den Winter in Wien mit Ende April endet, hat in den letzten Jahren vor allem die so genannten „nicht anspruchsberechtigten“ Frauen betroffen, also Frauen, die keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Wien haben. Heuer wurden mit 30. April alle Notquartiere für Frauen gestrichen, das bedeutet, dass auch Frauen, die eigentlich Anspruch auf Unterstützungsleistungen der Wiener Wohnungslosenhilfe (WWH) haben, auf die wenigen gemischtgeschlechtlichen Schlafplätze angewiesen sind. Eine Konsequenz ist, dass die Einrichtungen heillos überfüllt sind und für die „Nichtanspruchsberechtigten“ noch weniger Plätze zur Verfügung stehen.

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