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Offener Brief der “Gudis” an Sozialstadtrat Hacker

An dieser Stelle wollen wir den Offenen Brief veröffentlichen, den die Kolleg*innen der Gudi an Sozialstadtrat Peter Hacker geschrieben haben. Anlass waren seine Facebook-Postings, in denen er die Schließung argumentiert und schwere Vorwürfe gegen die Kolleg*innen erhebt.  Peter Hacker ist auch dazu eingeladen, sich persönlich auf der Demonstration zu äußern. Wir hoffen, dass dieses Schreiben vielen Leser*innen vermittelt, was es bedeutet in einem Bereich zu arbeiten, welches das letzte Auffangnetz vor der Straße ist.

 

»Lieber Peter Hacker!

Wir, die Mitarbeiter*innen des Notquartiers Gudrunstraße, wollen mit diesem Brief auf Ihre Aussagen und Unterstellungen, die Sie uns über Facebook übermittelt haben, antworten. Mit diesem Schreiben nehmen wir konkret Bezug auf die Anschuldigung, dass wir in Ihren Augen auf dem Rücken der Klienten bessere Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter*innen aushandeln würden.

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Streik statt Schließung Gudi bleibt!

Infos zum Aktionstag  der Basisarbeiter*innen  der NQ Gudrunstraße am 17. März:

Am 28. März soll das Notquartier Gudrunstraße geschlossen werden. Die betroffenen Basisarbeiter*innen sehen darin in erster Linie eine repressive Maßnahme, da sie zuvor gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehrten. Ihre Stellungnahme lässt sich hier nachlesen. die kommentierte Stellungnahme des FSW, der für die Schließung zuständig ist, gibt es hier.

  • Um 15:00 beginnt eine Betriebsversammlung im öffentlichen Raum. Dort soll ein Streikbeschluss gefasst werden. Unmittelbar danach wird es einen Warnstreik bis 18:00 geben.
  • Gleichzeitig, also von 15:00 bis 18:00, gibt es eine Unterstützungskundgebung am Keplerplatz (direkt gegenüber der Gudi). Wir bitten, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten. – auch wenn es unverständlich ist, dass sie bei Freifluftdemos vorgeschrieben sind, während sie bei eng belegte, schlecht belüfteten Notquartieren nicht zählen.
  • Leider werden wir mieses Wetter haben: Kälte, starker Wind, Schneefall, im besten Fall nur kurzer Sonnenschein. Bitte warm anziehen und sich davon nicht abschrecken lassen. Für Heißgetränke wird gesorgt.
  • Ab 17:00 tagt das Favoritner Bezirksrat. Dort wird LINKS einen Antrag ein, die „Gudi“ zu erhalten.
  • Ab 18:00 wird es ein Vernetzungstreffen für Basismitarbeiter*innen der Wohnungslosenhilfe geben. Der Ort wird auf der Kundgebung bekannt gegeben.
  • In der ganzen Stadt wird es zu kleineren Aktionen wie z.B. Solitranspis vor anderen Einrichtungen, Verteilen von Flyern, etc. kommen.
  • Es gibt auch digitalen Protest. Auf “Mein Aufstehen”kann für den Erhalt der Gudi unterschrieben werden.
  • Das ist nur der Anfang! Organisieren wir uns, vernetzen wir uns, planen wir die nächsten Aktionen – gemeinsam!

Corona im Notquartier: Fehlende Hilfeleistung

Es ist erstaunlich, aber Corona-Infektionen unter obdachlosen Menschen waren lange Zeit eine Ausnahme. Das hat sich seit letztem Dezember gründlich geändert. Die Pandemie ist seither bei dieser vulnerablen Gruppe voll angekommen. Bitter ist es, zu sehen, wie wenig bislang zum Schutz obdachloser Menschen tatsächlich getan wurde. Vor allem das Leben in Massenquartieren, in denen Abstand halten unmöglich ist, befördert das Ansteckungsrisiko.

Wir wissen bislang von vier größeren Clustern, die sich in den Quartieren des Winterpakets ergeben haben. Dazu kommen viele weitere „Einzelfälle“. Einer der größeren Cluster ereignete sich im Jänner diesen Jahres im Notquartier Gudrunstraße. Dort waren zunächst immer mehr Nutzer der Einrichtung und schließlich auch Mitarbeiter_innen von der Ansteckung betroffen. Die Kolleg_innen des NQ Gudrunstraße hatten bereits seit Herbst zunehmend unter massiver Unterbesetzung gelitten. Die reguläre Besetzung war um vier Teilzeitstellen zu knapp berechnet – dazu kamen Krankenstände, die nicht zuletzt Folge der starken Belastung und der vielen geleisteten Überstunden waren. Aufgrund dieser Belastungen begann sich die Basis zu organisieren, die Zustände zunächst trägerintern anzusprechen und mit Unterstützung des Betriebsrates Gespräche mit den Verantwortlichen des Trägers und des Fonds Soziales Wien einzufordern. Als sich schließlich die positiven Fälle stark häuften, gingen die Mitarbeiter_innen an die Öffentlichkeit.

Seit letzter Woche ist nun klar, dass das Notquartier Gudrunstraße als einziges des Winterpaketes nicht verlängert wird.

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Warum muss die Gudi schließen?

Wir dokumentieren im Folgenden die Stellungnahme des FSW, da sie ganz gut zeigt, warum wir protestieren und streiken müssen. Da ist zum einen die Aussage, dass sie nicht vorhaben, an Verhandlungen rund um die Schließung der “Gudi”, die sie selbst veranlasst haben, teilzunehmen. Zum anderen ist da die Aussage, dass die fehlende Auslastung einer der Hauptgründe für die Schließung wäre, während gleichzeitig die zuständigen Stellen bitten, die Wechsel der Klienten der Gudrunstraße möglichst schnell vorzunehmen, da die Plätze knapp werden. Die anderen beiden Punkte, die fehlenden Abstände und der Sanierungsbedarf stimmen zwar, dafür ist der FSW als Eigentümer der Liegenschaft und als Vertragspartner, der eine Vollauslastung der Vor-Corona-Zeit zustimmte, maßgeblich selbst mitverantwortlich. Des Weiteren haben wir stets Lösungen gefordert, die nicht zu unseren Lasten und noch weniger zu Lasten der Obdachlosen gehen.

Warum die “Gudi” ~ersatzlos~ schließen muss, wissen wir auch nach dieser Stellungnahme nicht. Warum wir angesichts dieser Kommunikationsverweigerung mit weitreichenden Folgen, protestieren und streiken müssen, wird hoffentlich klarer werden.

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Gipfel der Repression: NQ Gudrunstr. muss schließen

Es ist nun offiziell: das Winterpaket und seine Notquartiere werden bis August verlängert; die Wärmestuben vorerst nur für 1 weiteren Monat. Nur das Notquartier Gudrunstrasse wird schließen müssen. Das ist ganz klar eine eskalative Reaktion von oben. Weil unsere Kolleg*innen sich gewehrt und verteidigt haben, weil sie wegen Überarbeitung krank wurden, weil sie es sich nicht gefallen lassen haben, wie das miserable Krisenmanagement auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Das Team der Gudrunstr. hat ein Statement mit ihren Forderungen verfasst, das wir hier veröffentlichen.

Liebe Genoss*innen, liebe Kolleg*innen, liebe Kampfgefährt*innen, ihr guten Freund*innen!

Als Dank für unseren Einsatz während der Pandemie wird die NQ Gudrunstraße einfach und ersatzlos zugedreht. Wir werden als einziges Quartier des Winterpaketes nicht verlängert – offiziell wegen der fehlenden Auslastung. Das ist offensichtlich Blödsinn – die „Gudi“ gab und gibt es selten freie Betten.

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Auf zum feministischen Kampftag!

Liebe Kolleg*innen,

Wir laden euch dazu ein am 8. März den internationalen feministischen Kampftag mit uns gemeinsam am Karlsplatz zu begehen.

Wir wollen uns an diesem Tag mit einer feministischen Perspektive auf unsere Arbeit & Lebensweise auseinandersetzen, weil wir daran glauben, dass gesellschaftlicher Wandel von und mit FLINTs organisiert werden muss.

Am 8. März wird es ab 14:00 am Karlsplatz Infostände von verschiedenen feministischen Gruppen geben, unter anderem auch einen Treffpunkt zum Thema Streik im Sozialbereich und warum dieser feministisch ist. Kommt vorbei und besucht uns!
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Fenster zur Zukunft?

                                 

Reflexionen einer*s langjährigen Mitarbeiter*in des Wohnungslosenbereichs über die Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse

Bestürzt war ich von folgendem „Jobangebot“ aus dem Bereich der Wohnungslosenhilfe: Ein Übergangswohnheim suchte Vertretung für jene Mitarbeiter*innen, die zur Corona-Risikogruppe gehören und deswegen nicht mehr vor Ort sein können. So weit, so gut, doch das Ganze hatte einen ziemlichen Haken: Der Arbeitsvertrag war jeweils für ein Monat befristet. Danach wird entschieden, ob es für ein weiteres Monat weitergeht oder ob Schluss ist. Ich könnte mir also nie sicher sein, ob ich nächsten Monat noch Arbeit habe oder nicht. In so einer Situation würde ich mir aus Angst vor einem Jobverlust jede Kritik, jeden Tag Krankenstand, jeden Urlaub zweimal, dreimal, viermal überlegen. Kurze Zeit später bekam ich ein ähnliches, nicht ganz so schlimmes Angebot für einen anderen Arbeitsort noch einmal.

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